Der Pflegenotstand ist im Kapitalismus nicht behebbar

Dank der modernen Wissenschaft (Antibiotika, Hygiene, Unfallschutz,leichtere körperliche Arbeit usw.) werden die Menschen viel älter als früher. Noch nie gab es so viele 90- und 100 Jährige in der Geschichte. Das Alter bringt trotzdem mehr Gebrechlichkeiten mit sich.

In früheren Zeiten übernahmen die Altenpflege die vielen Töchter und Tanten von Großfamilien, die auf einem Bauernhof oder in einem Ort wohnten.

Diese Großfamilien gibt es nicht mehr. Durch die Entwicklung der beruflichen Spezialisierung und der kapitalistischen Flexibilisierung haben sich die Großfamilien in über den ganzen Kontinent verstreuten Single- und Kleinstfamilienhaushalte aufgelöst.

Nachdem in den 1970er und 1980er Jahren schon fast die 35-Stundenwoche erreicht wurde, sind die Arbeitszeiten wieder weit ausgeweitet und der Stress verschärft worden. Zu den Arbeitszeiten kommen wegen der steigenden Mieten immer längere Arbeitswege. Die Zahl der Pendler, die ständig im Stau stehen oder auf ausgefallene Züge warten, nimmt ständig zu. Für die Erholung der Nerven bleibt kaum Zeit.

Unter diesen Umständen und wegen des knappen Wohnraums sind immer mehr alte Menschen auf ein Alten- oder Pflegeheim angewiesen, die erst nach einer langen Warteliste den Einzug erlauben. Im Prinzip bräuchte eigentlich z. B. ein Schlaganfallpatient 3 persönliche Pfleger zum Toilettengang, Waschen,Ankleiden und Ausziehen, Trinken und Essen geben, welches wegen Schluckbeschwerden Stunden dauert, aber notwendig ist um die Dehydrierung zu vermeiden. Dazu müßte kommen ein tägliches Anhalten und Begleiten zum Spazierengehen mit dem Rollator, um Muskelschwund und Bettlägrigkeit zu vermeiden. Das ist bei den hunderten Altenheimbewohnern so nicht machbar.

So viele Arbeitskräfte kann man bei den niedrigen Geburtenraten gar nicht aus den produktiven Arbeitsfeldern und anderen Dienstleistungsbereichen abziehen, ohne daß die kapitalistische Wirtschaft zusammenbricht.

Ein Lösungsansatz wäre z. B. eine radikale Arbeitsverkürzung auf 6 Stunden, was die Pflegebereitschaft der Angehörigen steigern könnte. Aber wie das Beispiel Frankreichs zeigt, das seine sozialen Errungenschaften wie der 35- Stundenwoche unter Macron wieder zurücknehmen muß,ist das unter den heutigen Bedingungen nicht möglich, weil es damit dem Druck des EU-Binnenmarkts und der Globalisierung nicht standhalten kann.Dasselbe gilt auch für die Familienpolitik, Kindergärten und andere Bereiche.

Der Kapitalismus muß möglichst viel Mehrwert aus dem Arbeiter herauspressen bei Strafe des Untergangs. Denn die Konkurrenz sitzt ständig im Nacken.


Man kommt am Sturz des Kapitalismus nicht vorbei !