Zum Terroranschlag von Halle

Die KPD/ML drückt den Familien und Angehörigen der Mordopfer
Jana L. und Kevin S. ihr Beileid und tiefes Mitleid aus.
Wir hoffen auch, daß die durch die sinnlose und unfaßbare Tat
Schwerverletzten bald wieder genesen.
Wir sind uneingeschränkt solidarisch mit der jüdischen Gemeinde von
Halle, die einem unvorstellbare Massaker entkommen ist und
verurteilen jeden Antisemitismus. Schalom!


Wer ist der Attentäter Stephan Balliet ?

Erkenntnisstand vom 11.10. 2019: Stephan B. sagte von sich selbst: „Einmal Versager – immer Versager“. Er war der typische „Loser“ - Verlierer.

Erst kann B. seine Helmkamera nicht bedienen, dann schafft er es zum Glück nicht, die Tür der Symagoge aufzubrechen. Seine Waffen haben Ladehemmung, immer wieder flucht er, sagt“verkackt“, „Fuck“, „Scheiße“, „Mist“. Er nennt sich einen „Versager“, einen kompletten Verlierer“.

B. wird 1992 geboren. Er wächst in der Nähe der Lutherstadt Eisleben auf, keine Stunde vom Ort des Anschlags entfernt. Seine Eltern sind geschieden. Mit 27 Jahren wohnt er immer noch bei seiner Mutter. Sein Vater sagte der „Bild“-Zeitung, sein Sohn sei ein Eigenbrötler: „Er war weder mit sich noch mit der Welt im Reinen, gab immer allen anderen die Schuld.“ Die Zeitung berichtet, B. habe in Halle Chemie studiert, aber nach zwei Semestern abgebrochen. Zuletzt habe er als Rundfunktechniker gearbeitet. Danach soll er arbeitslos gewesen sein. Er hatte keine Freunde und keine Freundin,hing den ganzen Tag im Internet.

Man kennt diesen Typus auch von anderen Massakern und Amokläufern. Dabei ist es relativ zufällig in welche Richtung sich die Wut und der Frust zerstörerisch kanalisiert. Der oder die wird zum Nazi, der oder die zweite konvertiert zum Islam und geht zum IS, der oder die dritte wird zum „linken“ Autobrandstifter, der oder die vierte greift zu Drogen usw.

Gefördert wird dies noch durch die zunehmende Vereinzelung, Entsolidarisierung, Ellbogengesellschaft, Unsicherheit und den weltweiten Kriegsbrand im heutigen Kapitalismus. Seitdem es dieses klimafeindliche Ding, Smartphone genannt, im hintersten Loch gibt, verstummen weltweit die Gespräche und die jungen Menschen von heute betreiben weniger Sport und haben weniger Sex als frühere Generationen.

Nun zurück zu Stephan B. Er war ein „Gamer“, ein Computerspieler. Diese Szene hatte die Politische Polizei bis jetzt nicht auf dem Schirm. Hier konnte er ballern und seinen Frust ausleben.

So zusammengewürfelt wie sein Waffenarsenal ist offenbar auch sein Weltbild. In einem elf Seiten langen „Manifest“, das er vor der Tat veröffentlichte, legt er seine Gedanken dar – auf Englisch, um möglichst viel Verbreitung zu erlangen. Der Test liest sich stellenweise wie die Anleitung zu einem Computerspiel, lakonisch-lapidar geht es um „Ziele“, „Ergebnisse“, „Bonus“. Gemeint ist: Massenmord. In dem Dokument wimmelt es vor antisemitischen Begriffen. Eigentlich habe er zunächst eine Moschee oder ein Antifa-Zentrum attackieren wollen, schreibt B., habe sich aber dann entschieden, doch lieber so viele Juden wie möglich zu töten.

Am Londoner Zentrum zur Erforschung von Radikalisierung und politischer Gewalt werden die Anschläge und Verhaltensmuster von Terroristen seit Jahren erforscht. Ihr Gründer ist der deutsche Sicherheitswissenschaftler Peter Neumann. Er sieht beim Attentäter von Halle dasselbe Muster wie bei zahlreichen Terroranschlägen, die Islamisten und Rechtsextremisten in den vergangenen Jahren verübten. Dennoch hat der Anschlag für ihn eine neue Qualität. „Das Verhalten ist untypisch für deutsche Neonazis“, sagt Neumann. Dafür spreche etwa, daß B. sein rassistisches Manifest auf Englisch verfasst und bei der Aufzeichnung seiner Tat Englisch gesprochen habe. Mit seinem Amoklauf habe B. offenkundig nicht in erster Linie versucht, rechtsextreme deutsche Kameradschaften zu beeindrucken, sagt Neumann. Vielmehr bestehe kein Zweifel daran,, daß B. tief in der virtuellen Subkultur internationaler rechter Netzwerke und der mit ihr teils verknüpften Gamer-Szene verankert gewesen sei. Dafür spreche auch, daß er viele in der Gamer-Szene typische Begriffe sie „total fail“ und „total loser“ verwendet habe.

An traditionelle rechtsextreme Zirkel muß einer wie B. gar keinen Anschluß haben, sagt Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. „Das ist in Zeiten des Internets gar nicht mehr nötig“: Die Extremisten holen sich aus dem Netz, „was ihnen in den Kram paßt“.

Im Video seiner Tat nennt sich B. „Annon“. Er leugnet den Holocaust, wütet gegen den Feminismus – und bezeichnet „den Juden“ als Wurzel allen Übels. Im Hintergrund läuft kein Rechtsrock, wie man ihn von Neonazi-Festivals kennt. B. hört Musik aus japanischen Zeichentrickserien. Die sogenannten Animes, „teils auch pornographisch, sind sehr geläufig in dieser antifeministischen Online-Kultur“, sagt Neumann. Die Ausdrucksweise von B. zeige, daß er intensiv in der rechten Internetszene unterwegs gewesen, in Message-Foren wie 4chan und 8chan. Es sind anarchistische Foren, die auch bei Rassisten beliebt sind.

Auffällig ist an B. die Diskrepanz zwischen seinem guten geschriebenen Englisch und dem miserablen gesprochen in dem Video der Tat. Es deutet darauf hin, daß B. sich all die Formulierungen, vor allem Szene-Ausdrücke, in Internetforen angeeignet hat. „Viele der jungen Männer, die dort unterwegs sind, bezeichnen sich selbst als Loser, weil sie keine Frau abbekommen haben oder weil sie im Leben nicht erfolgreich sind“, sagt Neumann.

Der Terrorismusforscher fürchtet, daß sich für die deutschen Sicherheitsbehörden damit ein neuer Typus potentieller Attentäter zeige, mit dem sie bis dato nur selten konfrontiert gewesen seien.

Was Breivik (Norwegen), den Christchurch-Attentäter (Neuseeland) und Stephan Balliet (Deutschland) verbindet, daß sie wenig Bezug zur heimischen Innenpolitik und einheimische Rechten haben und auf englisch eine Art „Weltfaschismus“ anstreben.

Kann man solche Anschläge grundsätzlich verhindern? Das muß man leider mit Nein beantworten. Denn dazu müßte man entweder das Internet verbieten oder eine Totalüberwachung einführen. Beides wünscht keiner.

Viele „Linke“ wenden sich jetzt an den Staatsapparat und wünschen sich schärfere Gesetze. Von dem BRD-Staat, der die Faschisten in der Ukraine, in Lettland, die Islamo-Faschisten in Saudi-Arabien, die Zio-Faschisten in Israel unterstützt.

Sie schnallen nicht, daß das BRD-System und die EU auf der Totalitarismus-Ideologie beruhen, nachdem jede Verschärfung gegen rechts die Verschärfung gegen links beinhaltet.

Den Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus müssen die Arbeiterklasse und ihre Organisationen schon selber führen, den Selbstschutz organisieren wie einst die Proletarischen Hundertschaften und der Rotfrontkämpferbund.