100 Jahre Versailler Vertrag

Vor 100 Jahren, im Mai 1919 wurde im Schloß Versailles bei Paris der Versailler Vertrag ausgehandelt.

Der erste Weltkrieg war ein imperialistischer Krieg auf beiden Seiten. In Deutschland und Österreich-Ungarn fand der Junker- und Militäradel angesichts des Erstarkens sowohl der Bourgeoisie als auch der Arbeiterklasse im Krieg eine Flucht nach vorn, um ihre Privilegien und Klassenherrschaft zu retten. Dabei wurden sie von den Kapitalisten der Schwerindustrie unterstützt, die an der Aufrüstung von Marine und Heer ein großes Geschäft witterten und auch an Rohstoffen (Kohle, Eisen und Erdöl) interessiert waren.

Die Entente-Imperialisten Großbritannien und Frankreich hatten Interesse an der Niederschlagung des Deutschen Reiches, das eine schnelle, nachholende kapitalistische Entwicklung durchgemacht und somit sich zu einem ernsten Konkurrenten auf dem Weltmarkt anschickte. Nebenbei konnte man die deutschen Kolonien an sich reißen.

Mit dem Versailler Vertrag wurde Deutschland eine jahrzehntelange Knechtschaft durch Reparationszahlungen aufgezwungen, so daß es nicht mehr auf die Füße kommen sollte. Große Gebiete wurden abgetrennt, sowohl agrarische als auch das oberschlesische Industriegebiet. Das Ruhrgebiet wurde besetzt, das Saarland abgetrennt. Letztlich führte dieser imperialistische Raubvertrag in großen Teilen der Bevölkerung zu einem nationalistischen Revanchismus, der wiederum zum Aufstieg der NSDAP beitrug und schließlich in den Zweiten Weltkrieg führte.

Die Kommunistische Internationale und die KPD verurteilten die Barbarei des Versailler Vertrags.

Lenin, 5. Juni 1920: ..Der imperialistische Krieg 1914 – 1918 hat die Verlogenheit der bürgerlich-demokratischen Phrasen vor allen Nationen und vor den unterdrückten Klassen der ganzen Welt besonders klar aufgedeckt, indem er praktisch vor Augen führte, daß der Versailler Vertrag der vielgepriesenen „westlichen Demokratien“ eine noch brutalere und niederträchtigere Vergewaltigung der schwachen Nationen ist als der Brest-Litowsker Vertrag der deutschen Junker und des Kaisers. Der Völkerbund und die ganze Nachkriegspolitik der Entente enthüllen diese Wahrheit noch deutlicher und schärfer, wodurch sie überall den revolutionären Kampf sowohl des Proletariats der fortgeschrittenen Länder als auch aller werktätigen Massen der kolonialen und abhängigen Länder stärken und den Zusammenbruch der kleinbürgerlich-nationalen Illusionen beschleunigen, daß ein friedliches Zusammenleben und eine Gleichheit der Nationen unter dem Kapitalismus möglich seien.

Ernst Thälmann:“ Das räuberische Diktat von Versailles bedrückt die Werktätigen des besiegten Deutschland mit einer zermalmenden Last des Elends, mit verdoppelter Ausbeutung unter der Hungerpeitsche der deutschen Kapitalisten und der gleichzeitigen Tributknechtschaft für das internationale Finanzkapital, für die Siegermächte von Versailles. Das räuberische Versailler Diktat unterdrückt zahllose Millionen in Elsaß-Lothringen, West- und Ostpreußen, Posen, Oberschlesien, Südtirol, ohne sie zu befragen, durch brutale Annexion. Es preßt sie unter die Herrschaft des imperialistischen Frankreich und seiner Vasallenstaaten, des faschistischen Polen, der Tschechoslowakei, unter die Gewalt Belgiens und Litauens oder die faschistische Barbarei Mussolinis.“

August 1930: „ Nur wir Kommunisten kämpfen sowohl gegen den Youngplan als auch gegen den Versailler Raubfrieden, den Ausgangspunkt der Versklavung aller Werktätigen Deutschlands. Ebenso wie gegen alle internationalen Verträge, Vereinbarungen und Pläne (Locarnovertrag, Dawesplan, Youngplan, deutsch-polnisches Abkommen usw.), die aus dem Versailler Friedensvertrag hervorgehen. Wir Kommunisten sind gegen jede Leistung von Reparationszahlungen, gegen jede Bezahlung internationaler Schulden.

Wir erklären feierlich vor allen Völkern der Erde, vor allen Regierungen und Kapitalisten des Auslandes, daß wir im Falle unserer Machtergreifung alle sich aus dem Versailler Frieden ergebenden Verpflichtungen für null und nichtig erklären werden, daß wir keinen Pfennig Zinszahlungen für die imperialistischen Anleihen, Kredite und Kapitalanleihen in Deutschland leisten werden.

Wir führen und organisieren den Kampf gegen Steuern und Zölle, gegen die Verteuerung der Mieten und Gemeindetarife, gegen Lohnabbau, Erwerbslosigkeit und alle Versuche, die Lasten des Youngplans auf die werktätige Bevölkerung in Stadt und Land abzuwälzen.

Die Faschisten ( Nationalsozialisten) behaupten, sie seien gegen die vom Versailler Frieden gezogenen Grenzen, gegen die Abtretung einer Reihe deutscher Gebiete von Deutschland. In Wirklichkeit aber unterdrückt der Faschismus überall, wo er an der Macht steht, die von ihm unterworfenen Völker ( in Italien die Deutschen und Kroaten, in Polen die Ukrainer, Weißrussen und Deutschen, in Finnland die Schweden usw.). Die Führer der deutschen Faschisten, Hitler und seine Helfershelfer, aber erheben nicht ihre Stimme gegen die gewaltsame Angliederung Südtirols an das faschistische Italien. Hitler und die deutschen Nationalsozialisten schweigen über die Nöte der deutschen Bauernbevölkerung Südtirols, die unter dem Joch des italienischen Faschismus stöhnt. Hitler und seine Partei haben hinter dem Rücken des deutschen Volkes einen schmutzigen Geheimvertrag mit der italienischen Faschistenregierung abgeschlossen, auf Grund dessen sie die deutschen Gebiete Südtirols bedingungslos den ausländischen Eroberern ausliefern. Mit dieser schändlichen Tat haben Hitler und seine Partei die nationalen Interessen der werktätigen Massen Deutschlands in gleicher Weise an die Versailler Siegermächte verkauft, wie es die deutsche Sozialdemokratie seit zwölf Jahren unausgesetzt getan hat.

Wir Kommunisten erklären, daß wir keine gewaltsame Angliederung eines Volkes oder eines Volksteiles an andere nationale Staatsgebilde, daß wir keine einzige Grenze anerkennen, die ohne die Zustimmung der werktätigen Massen und der wirklichen Mehrheit der Bevölkerung gezogen ist.

Wir Kommunisten sind gegen die auf Grund des Versailler Gewaltfriedens durchgeführte territoriale Zerreißung und Ausplünderung Deutschlands.

Die Faschisten (Nationalsozialisten) behaupten, ihre Bewegung richte sich gegen den Imperialismus. In Wirklichkeit aber treffen sie Abkommen mit den Imperialisten (England, Italien). Sie wenden sich gegen den Freiheitskampf der Kolonialvölker (Indien, China, Indochina), verlangen für Deutschland Kolonien und hetzen zu neuen Kriegen, vor allem zur Intervention gegen die Sowjetunion, das einzige Land, dessen siegreiche Arbeiterklasse sich gegen alle Überfälle des Weltkapitals, gegen alle Raubzüge der Versailler Imperialisten siegreich mit Waffengewalt verteidigt hat. Überall, wo der Imperialismus unterdrückte Volksmassen knechtet, würgt und niederschießt, wirken die deutschen Faschisten durch ihre Vertreter mit: in China durch die Kapp-Putschisten Wetzel und Kriebel, in Südamerika durch die Militärmission des General Kuntz, in Österreich durch den Liebknecht-Mörder Pabst.

Wir Kommunisten sind die einzige Partei, die sich den Sturz des Imperialismus und die Befreiung der Völker von der Macht des Finanzkapitals zum Ziele setzt. Deshalb fordern wir die werktätigen Massen Deutschlands auf, vor allem gegen den Feind im eigenen Lande, für den Sturz der kapitalistischen Herrschaft und für die Aufrichtung der Sowjetmacht in Deutschland zu kämpfen, um den Versailler Friedensvertrag zu zerreißen und seine Folgen zu beseitigen...“

Die Rote Fahne vom 24. August 1930