Die Linke noch mehr auf proimperialistischen Kurs

Am Wochenende 23./24 Februar tagt in Bonn der Parteitag von Die Linke zu den Europawahlen. Anstatt für ein sozialistisches Europa der Vaterländer zu kämpfen positioniert sich die Mehrheit der Linken für den militaristischen, undemokratischen und neoliberalen Superstaat der Brüsseler Lobby- und Bürokratendiktatur.

Wir von der KPD/ML begrüßen es, daß Sahra Wagenknecht an diesem erbärmlichen Trauerspiel nicht teilnimmt.

In diesem Zusammenhang veröffentlichen wir einen Brief von Hans-Christian Lange, Vorsitzender von der vom DGB-Apparat unabhängigen SOCIAL PEACE, der ersten Band- und Leiharbeitergewerkschaft Deutschlands und Mitglied des Teams AUFSTEHEN München in Bayern:

Offener Antwortbrief an Gregor Gysi

Wir sind erstaunt, daß Herr Gysi uns für politisch tot erklärt. Noch sind wir ziemlich lebendig:Wir sind tausende Band- und Leiharbeiter und unterstützen seit einigen Monaten die Sammlungsbewegung AUFSTEHEN. Herr Gysi meint,daß AUFSTEHEN keine Bewegung von unten ist, daß AUFSTEHEN nicht von oben und schon gar nicht von einer Frau wie Wagenknecht ins Leben gerufen werden kann. So eine Bewegung ist seiner Meinung nach politisch tot.

Wir sind aber ziemlich lebendig. Auch wenn das Leben als Band- und Leiharbeiter nicht gerade Spaß macht. Wir wünschten uns, daß Herr Gysi gegen die Leiharbeit polemisierte und nicht gegen uns – weil sie Menschen wie uns kaputtmacht. Eher werden wir an der Leiharbeit krepieren, aber nicht am politischen Engagement. Bandarbeit wird so schlecht entlohnt, daß wir mehr schlecht als recht davon leben können. In einer vor Geld explodierenden Stadt wie München lebt man von niederer Maloche sowieso nicht lange.

Wir haben immerhin noch die Kraft, zu demonstrieren, auch wenn Herr Gysi sowas keine Chance gibt. Uns wundert es nicht, daß Herr Gysi die unteren Schichten, die sich bei AUFSTEHEN gesammelt haben, nicht unterstützt. Herr Gysi gehört eben auch zur deutschen Mittelschicht, ähnlich wie Herr März, die die Unterschicht nicht unterstützen. Die schon gar nicht die randalierende französische Unterschicht unterstützen wollen. In Frankreich randalieren allerdings Mittel- und Unterschicht gemeinsam. Auf diese Weise haben sie der Oberschicht und Herrn Macron immerhin 10 Milliarden Euro abgeknöpft, für Schichtzulagen und Rentenaufstockung.

Auch wenn sich die Unteren in Deutschland allein sammeln, sind sie noch lange nicht tot. Das wäre voreilig. Wir sind immerhin so lebendig, daß wir inzwischen eine demokratische Gelbwesten-Bewegung in Deutschland gestartet haben, ausgehend von München im Dezember und den Rechten dabei keinen Platz gelassen haben. Und am letzten Wochenende sind wir mit 2000 aufständischen Buntwesten auf die Straßen gegangen, allein in München mit einem großen Block von Aufständischen innerhalb von 3500 Friedensdemonstranten. Wir sind lebendig mit 200 Ortsgruppen und haben 170 000 registrierte Aufständische. Wir sind lebendiger Teil einer außerparlamentarischen Opposition. Die zwar nicht so stark ist wie in Frankreich. Das kann aber noch kommen.

Und eines wissen wir gewiß: Das kommt bestimmt, wenn uns noch mehr Leute wie Herr Gysi für tot erklären. Das steigert nämlich unsere Wut und staut sie auf. Wut gegenüber allen, die uns zu Zombies erklären. Herr Macron hat die Gelbwesten in Frankreich anno dazumal auch für tot und zu Zombies erklärt. Das hat sich inzwischen gerächt...