Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen und wählt die Grünen.

Bayern-Wahl 2018: Krachende Niederlage für die Groko-Parteien

Der große Verlierer der Bayern-Wahl war die SPD, die sich von 20,6 auf weniger als zehn Prozent halbierte und ihr schlechtestes Ergebnis seit 1893 einfuhr. Niemand braucht mehr die SPD. Themen wie Klima, Fahrräder und Naturschutz nimmt man den Grünen eher ab als der Beamtenpartei SPD. Das soziale Hauptproblem in Bayern ist nicht Arbeitslosigkeit – hier herrscht Vollbeschäftigung – sondern die Wohnungsfrage. Hier sieht es vor allem im Großraum München, der von der SPD regiert wird, besonders schlimm aus angesichts unerschwinglicher Mietpreise.

Der zweite große Verlierer der Wahl ist die CSU: Sie verlor mit einem Absturz von 47.7 auf nur noch gut 37 Prozent zwar nicht die Hälfte ihres Stimmenanteils, aber mit 12 – 13 Punkten absolut gemessen fast so viel wie die SPD. Auch hier drängen sich sowohl landes- als auch bundespolitische Ursachen auf. Eine landespolitische Ursache war der Spitzenkandidat Markus Söder, der eine Koalition mit den Grünen nicht ausschloß, und viele Wähler, die das auf keinen Fall wollten, dazu brachte, sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen.

Der wahltaktische Zug von Horst Seehofer, die Massenzuwanderung als Thema aufzugreifen, gemäß dem Motto von Franz Josef Strauß, „rechts von der CSU darf es keine Partei geben“ . war im Ansatz aus seiner Sicht richtig, aber unglaubwürdig, wenn er von 2015 bis jetzt die Kanzlerin Angela Merkel trotz Scheingefechte stützte.

Von der CSU gingen 530 000 Stimmen an die Grünen, aber fast doppelt so viel an die Freien Wähler (330 000) und an die AfD (640 000).

Die von den Medien vor der Wahl hervorgehobenen Wähler, die der CSU die Stimme versagten und grün wählten, weil ihnen die Christsozialen nicht merkeltreu genug waren, waren den Wählerwanderungsbefragungen nach im Vergleich also dazu sehr viel weniger und wurden durch ehemalige SPD-Wähler und Nichtwähler, die am Sonntag CSU wählten, mehr als ausgeglichen. Zählt man zum Stimmenanteil der CSU die Stimmen für die merkelkritischen Parteien AfD, Freie Wähler, FDP dazu, kommt man deshalb auf ein Plus dieses Blocks, während SPD, Grüne und Linke zusammengerechnet Stimmenanteile abgeben mußten.

Sensationell ist der Aufstieg der Grünen, die sich von 8,6 % auf 17,7 Prozent etwa verdoppelten. Und das mit einer Spitzenkandidatin , der gebürtigen Badenserin Katharina Schulze, die so naiv wirkt, als wäre sie immer noch die ehemalige Schülersprecherin am Gymnasium in Gilching. Eine brauchbare Erklärung dafür liefert der ehemalig CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber, wenn er sagt, daß allein in den letzten zehn Jahren 1,6 Millionen Deutsche aus anderen Bundesländern nach Bayern zugewandert sind, denen bayrische Tradition fremd ist.

Daß jetzt „De Greana“ ( die Grünen) gewählt werden, hat auch etwas mit der Auflösung des altbayrischen Milieus zu tun. Die alte CSU, als Nachfolger der Bayerischen Volkspartei, in der noch in den 50.er Jahren sich Protestanten, Franken und Schwaben schwer taten, sich gegen die Altbayern durchzusetzen, gibt es so nicht mehr. Das altbayerische Milieu mit seinen Bauern, der Dominanz der katholischen Kirche, seinen unzähligen Wirtshäusern und den Dialektsprechern ist ausgestorben. Bayern ist eine Boom-Region und die neue Mittelschicht ist am Ruder. Ob der Höhenflug der Grünen anhalten wird ist fraglich, denn Südbayern lebt von der Autoindustrie, München, Ingolstadt, Deggendorf (Audi und BMW).

Die Linke mit ihrem „bunten und weltoffenen Programm“ blieb wieder draußen mit 3 Prozent. Die Grünen gelten da als Original.

Die anderorts schon spürbare Krise des Kapitalismus ist in Bayern noch nicht angekommen.

Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen und wählt die Grünen.