Die Fratzenbuch-Krake

Das Fratzenbuch (Engl. Facebook) ist eine gigantische, weltumspannende Datennetzkrake. Früher mußten die Geheimdienste noch mühsam die Telefonnetze abhören.
Durch Facebook liefern alle Benutzer freiwillig ihre Fotos, ihre Leibspeisen, Kleidung, persönlichen Kontakte,Ansichten und ihre intimsten Angelegenheiten an die ganze Welt. Blockwarte, Gestapo, Stasi und politische Polizei sind heutzutage überflüssig und können in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. Was früher jahrelange Spitzelarbeit kostete ist heute auf der Computertastatur in ein paar Minuten erhältlich.

Aber Facebook ist nicht nur ein riesiger Sammelapparat, sondern auch auch ein politischer Lenkungsapparat. So werden sogenannte Netz-Trolle eingesetzt, die in Diskussionen provozieren, stören und in eine bestimmte Richtung lenken sollen. Ein andere Form der Lenkung ist die Zusammenarbeit mit halbstaatlichen Organisationen.

Das Digital Forensic Research Lab des Atlantic Council wird künftig dank einer vor kurzem vereinbarten Kooperation mit Facebook darauf achten, daß keine russischen Quellen über das soziale Netzwerk westliche Öffentlichkeiten mit sogenannten Falschinformationen und Propaganda politisch beeinflussen können. Nur noch neutrale Informationen über die segensreichen Wirkungen der weltweiten Friedenseinsätze der Nato-Truppen und über die Greueltaten der Regime, die aus humanitären Gründen beseitigt werden müssen, sollen uns erreichen.

Facebook wird so zum Nato-Organ.

Katie Harbarth, Direktorin für Globale Politik und Regierungen von Facebook, sagte dazu laut einer Pressemitteilung des Atlantic Council: „Diese Partnerschaft wird sicherstellen, daß Facebook eine positive Rolle bei allen Wahlen rund um die Welt spielt.“

Damit hat der Atlantik Council in der Tat große Erfahrung. Er ist eine eng mit der Nato assoziierte, sehr einflußreiche Organisation. Als zu entscheiden war, wer der Spitzenkandidat der SPD für den Bundestagswahlkampf werden sollte, Sigmar Gabriel, der Befürworter der Rußland-Pipeline Nordstream 2 und eines Abbaus der Sanktionen gegen Rußland, oder Martin Schulz, die treue Seele, publizierte der Atlantic Council eine Broschüre, in der Gabriel zusammen mit Alexander Gauland von der AfD als nützlicher Idiot,trojanisches Pferd und Einflußagent Rußlands tituliert wurde. Die deutschen Wähler kamen nicht in Gefahr, ihr Kreuz für einen russischen Einflußagenten zu machen. Schulz bekam den Vortritt. Der Atlantic Council empfahl in der Broschüre der EU und den Regierungen „zivilgesellschaftliche“ Gruppen zu finanzieren, die die Öffentlichkeit über Putin dunkles Netzwerk solcher Einflußagenten informieren.

Nachdem Schulz durch Intrigenspiel Gabriel auch noch aus dem Amt des Außenministers gekegelt hatte, veröffentlichte der Atlantic Council im Februar 2018 eine von der Nato finanzierte Broschüre mit dem Titel Democratic Defense Against Disinformation. Darin machte er auf gar nicht subtile Weise deutlich, welcher deutsche Politiker das Vertrauen der „transatlantischen Gemeinschaft“ genießt und damit als Außenminister geeignet wäre. Dieser Politiker bekam als einziger ein Porträtfoto und sein NetzDG eine lobende Erwähnung als vorbildhafte Maßnahme im Kommunikationskampf gegen Rußland. Im März wurde Heiko Maas Außenminister und wendete prompt sich und seine Partei von Rußland und Nordstream 2 ab.

In der Broschüre warnte der Atlantic Council, daß Europa vor der gleichen Herausforderung stehe wie die USA, nämlich auf Desinformationskampagnen,die gegen sie gerichtet sind, zu reagieren. Vor der russischen Einmischung in die europäischen Wahlen hatten der Atlantic Council und andere so wortreich und alarmistisch gewarnt, daß sogar mit East StratCom (Strategische Kommunikation Ost) eine EU-Truppe zur Propagandaabwehr eingerichtet wurde.Man erfährt,daß der Atlantic Council zur Verbreiterung des Kampfes gegen russische Propaganda in Washington ein von der Nato gesponsertes „transatlantisches Forum“ namens StratCom DC abgehalten hat, zu dem mehr als 100 europäische Journalisten, Aktivisten und Regierungsvertreter aus fast jedem europäischen Land gepilgert seien. Wer diese vorbildhaften Menschen waren, erfährt man leider auch auf der Webseite von StratCom DC nicht. Man kann es bei den Journalisten wohl nur an betont objektiver Berichterstattung ohne putinfreundlichen Einschlag erahnen.

Ein Mitarbeiter des Digital Forensic Research Lab ist der Chef und Gründer des Blogs Bellingcat, Elliot Higgins. Über Bellingcat deckt Higgins mit einem forensisch-technischen Sachverstand und einer Informationsfülle, wie sie nur ein abgebrochener Medizinstudent und Finanzsachbearbeiter eines Textilherstellers und eines Flüchtlingheims aufbieten kann, Greueltaten von Russen und Syrern noch vor allen offiziellen Stellen , etwa den Einsatz von Streu- und Faßbomben und von Giftgas, sowie den Abschuß von Passagierflugzeugen.

Medien wie Spiegel Online haben den Wert solcher Quellen schon länger erkannt und berichten regelmäßig und prominent über die in Broschüren des Atlantic Council enthaltenen objektiven Informationen aus dem Feindesland. Jetzt also offiziell auch Facebook. Endlich werden wir auch in den sozialen Medien wirksam geschützt vor den falschen Fake News und feindlicher Propaganda. Der jüngste Streich von Facebook waren an Fronleichnam die Löschung der Facebookseiten der Identitären Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Alles geschah ohne konkrete Begründung. Seltsamerweise gingen der Löschung der Facebookseiten der Identitären Hausdurchsuchungen durch die rechte österreichische Regierung und die Beschlagnahmung des Kontos der Identitären durch die noch rechtere ungarische Orban-Regierung voraus.

Mangels Kenntnis der inneren politischen Strömungen der Identitären entzieht sich uns der Grund dieser Aktionen. War es die Kritik am Globalismus oder die außerparlamentarische Bewegung, die sich der Kontrolle der Eliten verweigert? Jedenfalls haben die Identitären im Gegensatz zu anderen rechten Gruppen nie Gewalt angewandt und nur Transparentaktionen durchgeführt. Die revolutionäre Linke darf sich nicht in Sicherheit wiegen. Nato-, USA und Israelkritik auf linker Seite kann ebenso gelöscht werden, wenn Facebook oder die Hintermänner die Zeit gekommen sehen.

Es macht einen wütend, daß man heutzutage für eine offene Diskussion auf das russische soziale Netzwerk VK ausweichen muß. Das Vertrauen in die sogenannte Demokratie sinkt immer mehr.