Solidarität mit den Arbeitern von Neue Halberg Guss (NHG)

Der Streik beim Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) geht weiter. Aber die Streikenden haben ein ernsthaftes Problem. Anders als die Beschäftigten fordert die IG Metall nicht die Verteidigung aller Arbeitsplätze an den bedrohten Standorten Leipzig und Saarbrücken, sondern einen „sozialverträglichen“ Abbau der Arbeitsplätze.

Die Tatsache, daß die IG Metall - wie immer – nicht bereit ist, den Arbeitskampf auszuweiten und die prinzipielle Verteidigung aller Arbeitsplätze durchzusetzen, ermutigt die Unternehmensleitung zu immer schärferen Angriffen auf die Streikenden.

Am Freitag, den 13. Juli wies das Arbeitsgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung des Unternehmers zurück, das den Arbeitskampf verbieten lassen wollte. Damit spitzt sich der Streik von über 2000 Arbeitern in Leipzig und Saarbrücken gegen die Vernichtung von tausend Arbeitsplätzen und die Schließung des Leipziger Werks zu.

Die Neue Halberg Guss beliefert die Autoindustrie, vor allem VW, aber auch Daimler und Opel, mit Motorblöcken, Zylinderköpfen und Antriebswellen. Das Unternehmen wurde Anfang des Jahres von der Prevent-Gruppe der Familie Hastor aufgekauft, und diese streitet sich mit dem Großkunden VW um Preise und Lieferkonditionen. Nachdem der VW-Konzern seinem Zulieferer NHG wichtige Aufträge entzogen hatte, beschloß deren Management kurzerhand, Ende 2019 das Werk in Leipzig mit 700 Beschäftigten zu schließen und im Stammwerk Saarbrücken 300 von 1500 Arbeitsplätzen zu streichen.

Darauf traten am 14. Juni die „Halberger“ in beiden Werken in Streik. Seither genießt der Arbeitskampf in der Bevölkerung breite und wachsende Unterstützung. Die Autos hupen beim Vorbeifahren, und täglich treffen Solidaritätsdelegationen bei dem über 100-jährigen Werk und ehemaligen VEB in Leipzig, wie auch bei der Gießerei in Saarbrücken-Brebach ein, wo auch französische Kollegen arbeiten.

Der Streik könnte zum Kristallisationspunkt für einen gemeinsamen Kampf zehntausender Autoarbeiter werden, denn es geht dabei um zentrale Fragen, die die gesamte Autoindustrie betreffen. Das hat indirekt der Deutz-Chef Frank Hiller am Freitag, den 13. Juli bestätigt. Der Chef des Kölner Motorenwerks, das Komponenten von NHG bezieht, appellierte in einem Video an die „Verantwortung des Managements, der Gewerkschaftsführer und der Politiker“, den Streik rasch zu beenden, und bezeichnete ihn als „Wahnsinn“ und „in Deutschland einzigartige Ausnahmesituation“.

In Wirklichkeit brodelt es in der gesamten Autoindustrie.Bei VW, dem größten NHG-Kunden, werden die Leiharbeiter entlassen,Zulieferer unter Druck gesetzt und die Probleme aus der Dieselaffäre auf den Rücken der Beschäftigten abgeschoben. Auch bei Opel stehen tausende Arbeitsplätze und die Löhne auf der Kippe. In ganz Europa und weltweit wächst die Kampfbereitschaft unter Autoarbeitern. In der Slowakei und in Rumänien kam es vor Monaten schon zu spontanen Streiks gegen VW und Ford.

Für sie alle könnte der Streik der Halberg Guss-Arbeiter ein wichtiges Signal sein. Aber genau das will die IG Metall verhindern. Die Streikenden müssen der Wirklichkeit ins Auge blicken und dürfen sich von dem hohlen Geschwätz und den leeren Versprechungen der gekauften Gewerkschaftsfunktionäre nicht täuschen lassen.Die IG Metall hat die Arbeitsplätze und das Werk in Leipzig längst aufgegeben. Ihr Ziel ist es einen Sozialvertrag zu vereinbaren und den Streik rasch abzuwürgen. Sie vertritt nicht die Interessen der Arbeiter, sondern die der deutschen Autoindustrie, vor allem des VW-Konzerns, in dessen Aufsichtsrat und Managements hochbezahlte IG-Metall-Funktionäre sitzen.

Am Donnerstag, den 12. Juli, fanden in Frankfurt Verhandlungen mit der NHG-Geschäftsführung statt. Sie wurden von Protesten und einer Demonstration in der Bankenmetropole begleitet. Hier wurde deutlich, daß die IG Metall nicht um Arbeitsplätze kämpft, sondern in Wirklichkeit hinter dem Rücken der Arbeiter die Bedingungen für die geplanten Entlassungen und Werkschließungen aushandelt.

Der Hauptslogan, den die Gewerkschaft ausgegeben hatte und unzählige Male wiederholen ließ,lautet:“Sozialtarif wollen wir/darum sind wir heute hier!“ Schon der erste Redner, der Frankfurter IGM-Beauftragte Michael Erhardt, sprach beim Auftakt vor dem Hauptbahnhof über „die zweitbeste Lösung“ und sagte, wenn der Prevent-Konzern das dicke Geld machen wolle, dann müsse er auch bei Entlassungen ordentlich in die Tasche greifen.

Vor dem Verhandlungsort,einem Büroturm am Opernplatz, erklärte Jürgen Kerner, Mitglied des IG-Metall-Hauptvorstands:“Wir lassen nicht zu, daß der Laden leergeräumt wird und ihr mit leeren Taschen dasteht. Deshalb fordern wir eine Qualifizierungsgesellschaft und hohe Abfindungen.“ Die Arbeiter müßten zu den „gierigen Investoren“ sagen:“Eigentlich wollen wir arbeiten, aber wenn ihr die Arbeit kaputt macht, dann zahlt wenigstens anständig.“

All das zielt darauf ab, die geplanten Massenentlassungen durchzusetzen und die Arbeiter mit ein paar Almosen abzuspeisen. Wie der zweite Betriebsratsvorsitzende des Brebacher Werks, Mario Vangelista, deutlich machte, hat die IG-Metall „anständige“ Löhne und Bedingungen längst aufgegeben. „Wir haben für unsere Arbeitsplätze immer alles gegeben, mit Überstunden, mit Urlaubsgeld und mit Weihnachtsgeld“, gab der Streikführer zu. Aber jetzt sei einer gekommen, „der uns kaputtmachen will“.

Auch das Saarbrücker Werk hat in Wirklichkeit nur eine Gnadenfrist erhalten. Was nach 2019 passiert, steht völlig in den Sternen, denn im Vertrauen auf die IG Metall verfolgt das Unternehmen eine Salamitaktik.

Am Donnerstag, den 12. Juli jedenfalls verhandelten die IGM-Beauftragten keine Sekunde lang über die Zukunft des Leipziger Werks oder die tausend Arbeitsplätze, die akut bedroht sind, sondern allein um „Abfindungen“, „Auffanggesellschaften“ und einen „Sozialtarifvertrag“ Sie wären am liebsten schon an diesem Tag zum Abschluß gekommen.Dazu sagte Uwe Schütz, IGM-Verhandlungsführer der Betriebsleitung Mitte:“Es scheinen ausschließlich wir zu sein, die eine schnelle Lösung des Konflikts anstreben. Die Arbeitgeberseite hat dazu heute nichts beigetragen.“

Die IG Metall hat kein Interesse an einem Dauer-Arbeitskampf“, bestätigt IGM-Bezirksleiter Jörg Köhlinger am Freitag im Frankfurter Arbeitsgericht.

Die Gewerkschaft will unter allen Umständen verhindern, daß der Kampf auf andere Belegschaften übergreift und zum Auslöser einer breiten Mobilisierung wird. Bereits zu Beginn des Jahres hatte die IG Metall die Streiks von hunderttausenden Arbeitern in der Metall- und Elektroindustrie ausverkauft, um der arbeiterfeindlichen und militaristischen Politik der Großen Koalition den Weg zu ebnen.

Ermutigt durch das Vorgehen der IG Metall hat die Kapitalistenseite ihr Angebot in den Verhandlungen am Donnerstag, den 12. Juli nicht verbessert, sondern verschlechtert. Die NHG will den Arbeitern, die sie entläßt, nur einen Bruchteil dessen bezahlen, was die IG-Metall fordert. Die Höhe der Abfindung soll sich wie folgt berechnen: Pro Jahr ihrer Betriebszugehörigkeit sollen sie 40 % ihrer Bruttomonatsgehälter bekommen, also 0,4 Monatslöhne mal die Arbeitsjahre bei NHG.

Nach dem Prinzip „Teile und Herrsche“ haben die Manager am 12. Juli den verbleibenden Arbeitern versprochen, wenn sie den Streik sofort beendeten, dann seien sie bis Ende 2019 vor Entlassungen geschützt und könnten zu den Regelungen des IG-Metall-Flächentarifvertrags mit 35-Stundenwoche und Weihnachts- und Urlaubsgeld zurückkehren. Obwohl dies ein mehr als fadenscheiniges Manöver ist,strebt die IG Metall weiterhin eine rasche Verhandlungslösung an und bereitet einen Ausverkauf auf dem Rücken der Beschäftigten vor.

Jean-Marie aus dem Elsaß sagte auf die Frage nach seiner Meinung zur IG Metall:“Sie ist Teil dieser ganzen Kompromißkultur. Die Arbeiter werden durch den DGB und alle diese Gewerkschaften nicht richtig verteidigt. Sie stecken mit dem Arbeitgeber unter einer Decke.“

Nach all den vielen schlechten Erfahrungen mit den Gewerkschaftsbonzen wie z.B. bei Nokia, Opel Bochum usw.:


Vertraut auf eure eigene Kraft! Schiebt die Saboteure des DGB auf die Seite!