Kolumbien

Die Abgabe der Waffen hat sich nicht gelohnt

Von März 2017 bis Juni 2017 gab die älteste und größte Guerillaorganisation FARC-EP (gegründet 1964) ihre Waffen ab und schloß Frieden mit der Regierung in Bogota. Die Hoffnung war, den blutigen Krieg zu beenden und als legale politische Organisation fortan zu wirken.

Jedoch seit der Unterzeichnung des Friedensvertrags mit der Regierung Santos reißt die Serie von Morden an Linken, Gewerkschaftern, Menschenrechtsaktivisten und ehemaligen Guerilleros nicht mehr ab. Die venezolanische Solidaritätsorganisation Cosi verbreitete am 2. August, daß zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 23. Juli 2018 mindestens 328 Aktivisten ermordet worden seien. Allein seit der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl am 17. Juni wurden mindestens 30 Oppositionelle getötet.

Die andere Guerillaorganisation, die linkskatholische, guevaristische ELN sieht sich deshalb in ihrem Kurs bestätigt, die Waffen nicht abgeben zu wollen.Das „vollständige Scheitern“ des Abkommens zwischen den FARC-EP „und der kolumbianischen Oligarchie“ habe einmal mehr klargemacht, welche Bedeutung auch heute noch der „revolutionäre bewaffnete Kampf“ habe, schrieb der oberste ELN-Comandante Gabino alias Nicolas Rodriguez Bautista Anfang Juli in einem Brief an die Kämpfer seiner Organisation. Auch in den Reihen der ehemaligen Farc-Guerilleros macht sich Unmut breit. Mehrere hundert von ihnen haben sich inzwischen insgesamt 29 Abspaltungen angeschloßen, die den bewaffneten Kampf fortsetzen. Während eine Reihe dieser Gruppen keine politischen Ziele mehr verfolgt und in die Kriminalität abgerutscht ist, arbeiten andere offenbar an einem Neuanfang. Mitte Juli veröffentlichte die bürgerliche Wochenzeitschrift Semana einen groß aufgemachten Bericht, wonach insgesamt 4000 Aufständische „die FARC-EP neugründen“ wollten. Am 21. Juli verbreitete das linke Internetportal Resumen Latinoamericano ein Schreiben des früheren Comandante Fidel Rondon, in dem dieser seinen Austritt aus der legalen Partei FARC erklärt, die am 1. September 2017 als Nachfolgerin der Guerillaorganisation gegründet worden war.

In den vergangenen Wochen sind in Kolumbien Tausende Menschen gegen das Morden und für den Frieden auf die Straße gegangen.

Man kann der Reaktion nicht genug mißtrauen. Fort mit den reformistischen Illusionen!