Adem Demaci ist in Kosova gestorben

Am 26. Juli starb Adem Demaci in Kosova. Der Tod von Adem Demaci ist ein großer Verlust für die gesamte albanische Nation, aber auch für die anderen Völker auf dem Balkan. Adem Demaci war Patriot und Internationalist zugleich. Insgesamt verbrachte der am 26. Februar 1936 geborene Adem Demaci, 28 Jahre seines Lebens in jugoslawischen Gefängnissen. Dies nicht weil er rechts war, sondern als linker Humanist und lange Zeit als erklärter Marxist-Leninist, welcher für das Selbstbestimmungsrecht Kosovas eintrat.

Für Demaci waren Patriotismus und Internationalismus keine Gegensätze. Für Demaci bildeten die beiden Pole – Patriotismus und Internationalismus – eine dialektische Einheit. Demaci war nicht nur ein unbeugsamer Politiker, sondern auch Schriftsteller. In den fünfziger Jahren publizierte er sein erstes literarisches Werk Die Schlangen des Blutes, in dem er gegen die Blutrache und andere archaisch barbarische Verhaltensweisen anschrieb. Adem Demaci trat im Sinn der antifaschistischen Partisanenkonferenz von Bujan, im Winter 43/44 für das Recht ein, daß sich Kosova auf antifaschistischer Grundlage mit Albanien vereinigen darf. Deshalb war Adem Demaci ständiger Verfolgung durch die serbischen Nationalisten ausgesetzt.

Unter dem revisionistischen Tito-Regime war er von 1958 – 1961, 1964 -1974 und 1975 – 1990 politischer Gefangener. Er wird von einigen darum auch als „Nelson Mandela des Kosovos“ oder des Balkans bezeichnet.

Demaci leitete nach seiner Entlassung zwischen 1990 und 1995 den Menschenrechtsverein in Pristina.

Im Jahr 1997 versuchte er in Belgrad progressive Menschen für seinen Plan „Balkania“ zu gewinnen. Dies sollte eine Föderation von gleichberechtigten Staaten sein. In den Hintergrund trat seine frühe Forderung nach einer sozialistischen Balkanföderation. Allerdings fand er in Belgrad nur wenige Gesprächspartner.Ab 1998 war Demaci politischer Sprecher der UCK in Prishtina. An der Konferenz von Rambouillet nahm Demaci nicht teil. Er wurde sogar bewußt ferngehalten. Demaci bestand auf die völlige Unabhängigkeit Kosovas und meinte,“ daß die Luftschläge der NATO, den Tschetnik-Terror in Kosova befeuern würden“. Er war gegen die Unterschrift unter den Vertrag von Rambouillet. Nach dem Krieg verurteilte Demaci die UNMIK-Verwaltung als „neokoloniale Institution“. Ähnlich kritisch stand er der EU-Mission EULEX gegenüber. Weiter pflegte er Kontakte zu serbischen Oppositionellen. Demaci war befreundet mit dem Architekten und ehemaligen Bürgermeister von Belgrad Bogdan Bogdanovic. Stets legte er Wert auf das Selbstbestimmungsrecht, auf Solidarität, Humanismus und Internationalismus.Sein Werk und sein vorbildlicher Charakter wird weiterleben.

Adem Demaci beherrschte mehrere Sprachen. Sein Witz sowie die Dinge auf den Punkt zu bringen waren sehr beeindruckend. Er wetterte gegen den neoliberal-kapitalistischen Privatisierungsprozeß in Kosova. Allerdings entfernte er sich zunehmend von seiner marxistischen Basis im hohen Alter. Dies dürfte mit seinem „Schock“ 1991 zu tun gehabt haben,Demaci war Anhänger Enver Hoxhas. Der Zustand Albaniens im Jahr 1991 bedrückte ihn zutiefst.Dennoch behielt er seinen Internationalismus.

Der Schweizer Tagesanzeiger schrieb zum Tod von Demaci:“Nach dem Krieg war Demaci einer der wenigen Politiker der Kosova-Albaner, der sich für die Rechte der serbischen Minderheit einsetzte und Racheaktionen ablehnte. Doch nun hatten die jungen Rebellen die Macht übernommen, Demacis Stimme blieb meist unerhört.“ Dieser Analyse kann nur zugestimmt werden. Demaci erklärte: „Niemand darf in Kosova wegen seiner Abstammung bevorzugt oder benachteiligt werden.“ In den Herzen aller fortschrittlichen Menschen wird Adem Demaci in Kosova und Albanien ewig weiterleben. Dies brachte Albin Kurti (ehemals Studentenführer, Sekretär von Demaci und heute Vorsitzender der „Bewegung für Selbstbestimmung“) in seiner Beileidsadresse zum Ausdruck.