Mit Frontfrau und Pomade zum Endsieg.

80 % der Deutschen sind gegen die Beteiligung der Bundeswehr am Krieg in Afghanistan.
Dies in guter Tradition aus dem 2. Weltkrieg. Wie man gegen das Volk regiert, hat Stuttgart
21 gezeigt. Mit im Reisegepäck nicht nur die Ehefrau, sondern auch gleich Moderator
Johannes B. Kerner, der eine Talkshow mit dem Minister und Soldaten aufzeichnen wollte.
Talkshow und PR-Gag gegen die Mehrheit des Volkes. Hängt sich schon seine Frau als
Säubermännin der Nation gegen Schmuddel und Sex aus dem Fenster, so soll dem
Unwillen des deutschen Volkes gegen den Krieg Abhilfe geschaffen werden, den Soldaten
ihren Kampfauftrag plausibel gemacht werden. Dazu dienen die öffentlich-rechtlich von
GEZ gesponserten Rundfunkanstalten mit ihren embedded (Deutsch: eingebettet)
Reportern oder die Privaten wie SAT-1.

Reicht schon die Sensationskitzel-show mit Gottschalk nicht aus, so wird hier noch eins
nachgeschoben um die heile Welt an der Heimatfront zu feiern. Das nun zu Weihnachten
wo die Soldaten in Kundus drohen sentimental zu werden und durch zu knallen. Erinnern
wir uns an den Amoklauf des Seelenkosmetikers von Fort Bragg/USA. Die Verteidigung
des Vaterlandes am Hindukusch ist problembehangen. Wie sag ich's meinen Soldaten,
besonders als eine Mutter bei der Beerdigung in Ingolstadt eines BW-Soldaten zerfetzt in
Kundus ein Schild erhob: ich habe drei Söhne und gebe keine einzigen für den Krieg her.
Da war der Karl-Theodor zu in Beweisnot. Schmackhaft macht er den Fronteinsatz der BW
darum indem er von der Abschaffung der Wehrpflicht faselt wohl wissend, daß in den 50er
Jahren mit „Nie wieder Krieg“ und „Ohne mich“ arge Probleme bei der Wiederaufrüstung
bestanden und nie gewichen sind. Das punktet zum beliebtesten deutschen Politiker, kein
Wunder. Und die FDP im Stimmungstief schimpft, der Karl-Theodor zu hätte ihnen die
Show gestohlen. Aber passiert ist passiert.

Die Vorstellung mit der Uniform ohne Bürger den Schießbefehl besser zum robusten
Bestandteil des Afghanistaneinsatzes machen zu können, sich so besser dem Endsieg zu
nähern, die Bundeswehr zur Freiwilligenarmee um zu wandeln, damit kein
Befehlsnotstand mehr herrscht, das Marschgepäck erleichtert wird, indem der
Staatsanwalt daraus verschwindet, all das sind Schritte immer weiter weg vom
Grundgesetz. Pomadig und rhetorisch wird das ausgeblendet. Die Generalität gerät ins
Staunen, war doch bislang der Tagesbefehl ein anderer. Aber wie schon mal der Adel, sie
verstehen ihr Handwerk und produzieren sich als tüchtige Frontschweine. Der Unterschied
zur Wehrmacht, damals wurden die Erfolge im DEFA-Studio Babelsberg per
Wochenschau gedreht, während in Stalingrad verreckt wurde. Heute kommt die Talkshow
nach Kundus gemäß dem asymmetrischen Krieg dort. Geblieben aber ist, der Fronteinsatz
wird auch dem Karl-Theodor zu nebst Weib erspart. Nix 24 Stunden-Patrouille mit Dingo
und Nervenklapps. Knallt es, wird schnell die Show abgebrochen und sich hinter der
Feldhaubitze im Lager verkrochen, die er persönlich den Jungs spendete zwecks
moralischer Aufrüstung. Die Rambo-Rituale nun auch mit Frontfrau haben sogar die
Kriegsgegner im Bundestag mobilisiert. Empörung schreien sie. Die Ehefrau darf hin, aber

die Abgeordneten nicht. Militärischer Sperrbezirk. Obwohl sie doch über den Fronteinsatz
abstimmen dürfen im Bundestag. Man erkennt deutlich welche Hindernisse noch bei der
Kriegsbegeisterung bestehen. Die Front hat in Afghanistan schon viele Friedensminister
verschlissen. Der jetzige ist aber auf der Hitliste spitze. Beliebtester deutscher Politiker
noch vor der Pastorentochter. Er ist nun zur Front um die Bedürfnisse der Soldaten zu
erforschen nachdem der Endsieg nach 10 Jahren noch nicht eingetroffen ist. Es könnte
den Soldaten langweilig werden, darum die Talkshow life in Kundus. Einst holte man den
Sänger Gunter Gabriel nach Prishtina im Kosovo um den Soldaten die Langeweile zu
vertreiben. Dabei bemängelte er das viele Geld, was da verplempert wurde. Es herrscht
Hunger und Arbeitslosigkeit. Inzwischen stellte man da die Wahlurnen auf statt Kochtöpfe.
Nun geht KAFOR nur noch spazieren. Das Wahlvolk wedelt patriotische Fahnen. Die
störrischen Untermenschen sind gebändigt. Nur in Afghanistan will das nicht so recht
gelingen. Voller Einsatz von Friedensminister und samt Frontfrau, mit Kanonen auf
Spatzen. Immer mehr Tote, immer mehr Landgewinn der Taliban. Was läuft schief? War
bislang der Einsatz am Hindukusch noch mit dem Ziel Kontoauffüllung verbunden, so wird
jetzt der Einsatz mit Freiwilligen bestritten. Diese so hofft man, sind mit mehr Siegeswillen
ausgerüstet. Denn zehn Jahre ohne Endsieg, der Steuerzahler wird ungeduldig. Die Wut
über das Verplempern hat sich bei Stuttgart 21 ausgeladen. Schnell könnte ein
Flächenbrand daraus werden. So einer, wie in Russland oder Israel, wo das allmächtige
Militär dumm da stand, mission impossible. Kein Auftrag. So ähnlich als 1972 die Heide
brannte, als der Scherzkeks von Bahlsen die Bergepanzer still legte in Pflichterfüllung. Für
den Endsieg sind höhere Ziele notwendig als den Schutz der Menschen. Kein Wunder bei
dem Privatkrieg des Herrn zu.

Wie sagte Karl Liebknecht 1914 im Reichstag bei der Bewilligung der Kriegskredite der
Sozen? Diesem System keinen Mann und keinen Groschen. Das Gezeter und die
gespielte Empörung der Opposition wirft ein trauriges Licht darauf, daß nun zum dritten
Male Deutschland in Kriegsgemetzel verwickelt ist danach. Es brauchte 65 Jahre Frieden
um den Kriegsadel wieder zum Grinsen zu bringen. Karl Liebknecht brachte man samt
Frieden um. Von Gleiwitz bis Kundus ist es eine gerade Linie der Kriegsintrige. Der
gespendete Trost für die Soldaten in Kundus dafür den Kopf hin zu halten, er wird von der
Steuer abgesetzt und bezahlt. Die Frontfrau hat ihre Pilgerreise an die Front aus eigener
Tasche bezahlt wurde eilig beteuert. Nun weiß man, selbst der höchste Mann im Staate
betrieb Spesenritt. Diese Gepflogenheiten lassen sich hinter den verschlossenen Türen
des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages leicht abrechnen. Außer daß
die Schuldenuhr rast, merkt das keiner. Also weiter bis zum Endsieg.

14.12.2010

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